Aufbruch in ein neues Glas-Zeitalter

Es ist Glaszeit. Technische Entwicklungen haben dem Werkstoff Glas das heutige breite Anwendungsfeld ermöglicht. Der Wunsch nach transparenter Architektur und der Zwang zur rationellen Energieverwendung waren Triebfeldern dieser Entwicklung. Der Scheinbare Widerspruch zwischen Transparenz und Energieeinsatz ist aufgelöst. Besser als mit allen anderen Werkstoffen lässt sich mit Glas energieoptimal bauen. Die Grenzen des physikalisch Machbaren werden dabei immer neu gesteckt. Wir stehen also nicht am Ende einer erfolgreichen Entwicklung, vielmehr erleben wir den Aufbruch in eine neue Glas Generation.

Längst ist der Stand der Technik nicht mehr allein mit der Schlieren und Blasenfreiheit oder den maximal verfügbaren Abmessungen. Der Status Quo bezieht sich auf die Funktion - und Glas ist multifunktionell: Es dämmt Wärme besser als die Wand. Wo die Sonne hinkommt, gewinnt das transparente Element mehr Sonnenenergie, als Energie verliert. Es denkt sogar mit: Selektives Sonnenschutz-Glas lässt nur Licht ins Gebäude, Sonnenenergie hingegen bleibt größtenteils außen vor.

Nicht nur bei der Wärme auch bei der Schalldämmung erzielt Glas Werte , die die Eigenschaften der gemauerten Wand übertreffen: Ein nur 42mm dickes Glas Element dämmt den Schall so gut wie eine sechsfach dickere Mauer. Sogar das einstige Sicherheitsrisiko ist entschärft. Längst haben sich Einbrecher auf Tür und Rahmen konzentriert .Spezielles Sicherheitsglas hält selbst massiven Angriffen mit Axt, Hammer und Schusswaffen stand.

Das High-Tech Produkt Glas steht auch alten Gebäuden. Mit Sprossen Isolierglas behalten alte Gebäude ihren Charme auch nach der Renovierung. Ihre Augen sind nicht blind geworden. Butzen und Sprossen vermitteln das historische Ambiente. Die Zukunft aber, der Aufbruch in ein neues Glas-Zeitalter hat gerade erst begonnen. Beschichtete Wärmedämm- und Sonnenschutzgläser strahlen kaum noch Energie ab. Hat eine Floatglasoberfläche ein Abstrahlvermögen von 84 Prozent, reduziert sich dieses auf vier Prozent bei Warmglas und sogar auf nur zwei Prozent bei Sonnenschutzglas. Ähnliches gilt für andere Eigenschaften. Mit 66 Prozent Licht-Transmission und nur 34 Prozent Gesamtenergie-Durchgang lässt Sonnenschutzglas gerade mal die Energie ins Haus die im Licht steckt, der Rest bleibt draußen. Moderne Verfahren sind mittlerweile so weit fortgeschritten, dass Beschichtungen großflächig schaltbar werden. Sie können den jeweiligen Bedürfnissen flexibel angepasst werden. So lässt sich zum Beispiel der Energieeinlass regulieren. Wenn es eh` schon heiß ist, wird eben abgeschaltet.

Die Sonnenenergie bleibt draußen. Auch die Transparenz lässt sich verändern. Soll niemand hereinschauen, wird einfach abgedunkelt - wie eine Sonnenbrille. Oder auf Milchglas umgeschaltet auch das geht. Selbst Blendschutz ist machbar. Eine Milchglas-Scheibe schafft schließlich eine schlagschattenfreie Ausleuchtung. Ein Computerbildschirm lässt sich besser ablesen, wenn die Schatten verschwunden sind. Bei elektrochromen schaltfähigen Gläsern kann die Transmission herkömmlicher Gläser von 75 Prozent auf nahezu Null geschaltet werden. Der Energiedurchgang lässt sich auf ein Drittel verkleinern und wieder vergrößern so oft man will. Letzteres gilt auch für Thermothrope Schichten, bei denen die Temperatur selbst den Schalteffekt auslöst. Auch das kann aktiv gesteuert werden. Man kann es aber auch dem Glas überlassen, sich einfach abzuschalten, wenn es zu heiß wird.

So schafft Glas neue Technik. Die Zukunft beginnt gerade - und wir sind dabei.